Studie: Unternehmen enttäuscht von österreichischer Steuerpolitik
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Dr. Bernhard Gröhs Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bgroehs@deloitte.at |
Wien, 22. Juni 2009 – Unternehmer fühlen sich in der Krise von der Regierung allein gelassen, so eine aktuelle, von Deloitte beauftragte Studie von Karmasin Motivforschung. Sie fordern flexibleres und rascheres Handeln des Gesetzgebers.
Weniger als ein Zehntel fühlt sich in der Krise unterstützt
Die im Juni bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern durchgeführte Befragung belegt eine hohe Unzufriedenheit mit der aktuellen österreichischen Wirtschafts- und Steuerpolitik. Nur neun Prozent der befragten Finanzvorstände und Geschäftsführer fühlen sich in der Finanz- und Wirtschaftskrise von der aktuellen Steuerpolitik unterstützt. Weit über die Hälfte ist der Meinung, die steuerlichen Bedingungen sollten auf jeden Fall verändert werden. „Bisher waren die Maßnahmen gegen die Krise nicht steuerpolitischer Natur. Jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern und auch gezielte steuerliche Maßnahmen zu setzen, sonst laufen wir in drei Problembereiche: Erstens zahlen viele Unternehmen Steuern für Gewinne, die sie nicht mehr erzielen. Zweitens wird die dringend notwendige Kapitalbeschaffung steuerlich behindert und drittens werden Sanierungsmaßnahmen erschwert“, so Dr. Bernhard Gröhs, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei Deloitte.

Vor allem fehlende Flexibilität und mangelnde Geschwindigkeit wird der Steuerpolitik von den CFOs und CEOs unseres Landes vorgeworfen. Weniger als ein Zehntel der Unternehmer ist der Meinung, dass unser Steuersystem die durch die Krise geänderten Umstände berücksichtigt. Das gilt vor allem für die steuerliche Absetzbarkeit von Verlusten und Beteiligungsabwertungen.
Forderung nach rascher Steuererleichterung
Im Bereich der Lohnabgaben ist eine rasche steuerliche Entlastung für knapp 90 Prozent der Finanzvorstände und Geschäftsführer in Zeiten der Krise von zentraler Bedeutung. So halten 85 Prozent der Befragten eine geringere Besteuerung von Prämien und Überstunden als Anreiz für Leistungsträger für wichtig, ebenso die Vereinfachung der Lohnabgaben.
Eine Abschaffung der Gebühren auf Verträge (z. B. Kreditverträge, Bestandsverträge) wollen 84 Prozent der Befragten. Eine Abschaffung der Grunderwerbssteuer bei der Übertragung von Grundbesitz innerhalb des Unternehmens ist für 75 Prozent der Befragten wichtig.
Kapitalbeschaffung erleichtern, Investitionen fördern und Sanierungen nicht behindern
Dr. Bernhard Gröhs sieht seine Vermutung aufgrund der Ergebnisse der Studie bestätigt: „Österreichs Unternehmer erwarten sich mehr und kompetentere Unterstützung durch die Steuerpolitik. Die Wirtschaftskrise ist noch nicht überstanden. Unser Anliegen muss es sein, die Unternehmer bestmöglich aus der Krise herauszuführen. Deswegen wollten wir mit einer empirischen Studie ihre Wünsche und Anliegen erheben, um dem Gesetzgeber den dringenden und konkreten Handlungsbedarf aufzeigen zu können. Wir müssen jetzt mutige Akzente setzen: Kapitalbeschaffung steuerlich nicht behindern - daher Gesellschaftssteuer und Kreditvertragsgebühr abschaffen. Investitionen fördern in Form einer Wiedereinführung der Investitionsprämie, die steuerlichen Bremsen für die Absetzbarkeit von Verlusten lösen und die steuerlichen Rahmenbedingungen für Sanierungen erleichtern. Eine rasche Anpassung der Steuerpolitik an die Krisensituation würde die österreichische Unternehmerlandschaft nachhaltig stärken und Arbeitsplätze sichern.“
Dr. Bernhard Gröhs
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
Siehe auch: Börse-Express Bericht
ewernitznig - 22. Jun, 15:06

